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Podiumsdiskussion TheaterPlus: Hitziges Gefecht um die Neubau-Idee
12.11.15
Emotional aufgeladen war die öffentliche Podiumsdiskussion rund um die Projektidee TheaterPlus, die von der Standortförderung Region Winterthur und dem Café des Arts organisiert worden war. Gut 200 Personen aus Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik füllten den Saal und zeigten grosses Interesse an der Zukunft des Theatergebäudes.
Mit dem Inputreferat von Stadtpräsident Michael Künzle begann am Mittwoch Abend im gefüllten Saal der Alten Kaserne die Auslegeordnung zur Frage: Was wollen die Winterthurerinnen und Winterthurer für ein Theatergebäude? Dass die Stadt ein Theater wolle, sei für den Stadtrat keine Frage, bekundete er. „In welchem Gebäude dieses stattfindet, ist aber durchaus überlegenswert“, sagte der Vorsteher des Kulturdepartementes. Er dankte den Projekt-Initianten TheaterPlus und betonte die Wichtigkeit, dass die Stadt Winterthur engagierte Leute mit Visionen brauche.
Und was will die Bevölkerung: Das Alte erhalten mit seinen – vielleicht fast liebgewonnenen – Unperfektheiten? Oder den Abriss in Kauf nehmen und einem architektonischen Leuchtturm mit zwei Theatersälen und einer Zusatznutzung Platz verschaffen? Diese Frage wälzten im Anschluss vier geladene Podiumsgäste unter der Leitung von Landbote-Redaktor Jakob Bächtold. Es folgte eine emotional aufgeladene Diskussion, in welcher Beat Schwab, Vorstandsmitglied der Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur und Vertreter der Projektidee TheaterPlus seinen Standpunkt erläuterte und den Wunsch nach einer „Ergebnis offenen Diskussion“ äusserte. „Man kann zwar Nein sagen zur Frage Neubau oder nicht, ohne sich auf eine andere Idee einzulassen. Ich finde es aber wichtig, dass sich die breite Bevölkerung darüber Gedanken macht, ob es alternativ zur Erhaltung des Bestehenden auch eine energetisch, finanziell und technisch nachhaltige Lösung gibt. Eine Lösung, die weiteren Kulturformen und Eventveranstaltern einen Mehrwert verschafft, architektonisch ein toller Wurf ist und neue, junge Leute auch von ausserhalb Winterthurs in die Stadt lockt“. Weiter bekannte er sich dazu, dass Winterthur „zu 100 Prozent“ ein Theater brauche und dies mit TheaterPlus in „keiner Art und Weise infrage gestellt“ sei. „Im Gegenteil“. Architekt Heiner Zumbrunn, der den Erschaffer des für sein Bleidach berühmten Gastspielhauses noch persönlich kannte, ist ein Befürworter der Projektidee, weil er glaubt, „dass sich ein Theater mit singulärer Nutzung, also ohne zusätzliche Mantelnutzung mit Wohnungen, Hotel und Kongressräumen, künftig nicht mehr vernünftig finanzieren lässt. Und wir wollen doch alle, dass das Theater fortbesteht“.
Martin Bernhard, Präsident des Theatervereins Winterthur und bekennender Gegner der Projektidee, begründete seine Ablehnung mit dem Argument, dass „das Theaterhaus einfach zum Winterthurer Stadtbild gehört“. Er zitierte den am Dienstag verstorbenen deutschen alt Bundeskanzler Helmut Schmidt mit den Worten „Wer Visionen hat, muss ins Krankenhaus“, und bestand auf der Vorstellung, dass „TheaterPlus nichts anderes heisst als Abriss und ein Kongresshaus hinklotzen“. Alex Freihart, während der 80er und 90er Jahre Direktor des Theaterhauses und ebenfalls bekennender Gegner, sagte, was bestens funktioniere, müsse man nicht ersetzen, und verglich die Projektidee mit dem „Turmbau zu Babel“.
Schliesslich sagte FDP-Gemeinderat Christoph Magnusson, der sich zu den „noch nicht entschlossenen Bürgerinnen und Bürgern“ zählt, er sei durchaus für ein gutes Projekt in Form eines Neubaus, würde diesem aber nur zustimmen, sofern es ihn überzeuge. Weiter erinnerte er die überwiegend aus Kulturkreisen bestehende Gegnerschaft von TheaterPlus an die Chance für einen energetisch nachhaltigen Bau, „welcher der Zielsetzung einer 2000-Watt-Gesellschaft sicher deutlich besser entsprechen würde, als das bestehende Gebäude“.
Die Diskussion wird weitergehen
Die Organisatoren des Anlasses sind überzeugt, mit der gestrigen Diskussionsplattform einen konstruktiven Beitrag geleistet zu haben im Sinne der Identifikation der Bevölkerung mit der Kulturstadt Winterthur im Allgemeinen und der Institution Theater im Speziellen.
Bis Ende Jahr will der Stadtrat die Projektidee, welche von den drei Organisationen Standortförderung Region Winterthur, Winterthur Tourismus sowie Handelskammer und Arbeitgebervereinigung Winterthur lanciert wurde, geprüft und entschieden haben, ob und in welcher Form er das Projekt weiterverfolgen will. Ob es zu einer zweiten öffentlichen Podiumsdiskussion im kommenden Jahr kommen wird, wollen die Organisatoren zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
Die Diskussion in der Bevölkerung wird indes weitergehen. Wer sich aktiv einschalten möchte, ist eingeladen, dies via Website www.theaterplus.ch zu tun.
Mehr zur Projektidee auch auf unserer Website.






